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V.l.n.r.: Walter Kugler, Peter Sloterijk, Mateo Kries © B. Matthiessen


Vor dem Hintergrund, eines in der Öffentlichkeit oft einseitig auf schräge Ecken, oder als den Gründer der Waldorfschulen redu- zierten, wahrgenommenen Künstler, war es dem Veranstalter ein besonderes Anliegen, das Oeuvre Steiners aus dem anthroposo- phischen Kontext heraus, einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit eine breitere Debatte darüber anzuregen. Begleitet wird die Ausstellung von einem über sechs Monate dau- ernden Rahmenprogramm innerhalb der ganzen Region, was in der Geschichte des Vitra Design Museums einmalig ist.


Die Ausstellung präsentiert eine Fülle an Originalen aus verschie- denen Handwerks - und Kunstrichtungen. Wer sich von den Ex- ponaten ansprechen lässt, erfährt viel über den geistigen Hinter- grund jener Zeit und den besonderen Qualitäten Rudolf Steiners. Überraschend, wie aktuell oder vertraut einem die geistige und emotionale Tonlage aus den verschiedenen Textdokumenten, wie Zeitungstitel oder Plakaten klingt. Es scheint, als wäre die Auf- bruchstimmung zu Beginn des letzten Jahrhunderts der aktuellen Situation recht ähnlich.


In seiner Einleitung hebt Mateo Kries das wachsende Interesse an Rudolf Steiner hervor und belegt dies anhand der Besucher Rekorde in den vorhergehenden Stationen Wolfsburg, Stuttgart und Wien.


Auf die Frage, was ihn denn an Rudolf Steiner reize, meinte Pet- zer Sloterdijk, „es ist weniger ein Reiz, sondern eine Wahrneh-


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mung der Tatsache, dass Steiner in einem bestimmten geistes- geschichtlichen Sternbild an einer sehr markanten Stelle steht. Man kennt seit längerer Zeit ein Denken in Konstellationen, was nicht abergläubige Astrologie ist, sondern eine Form von Wahr- nehmung, von zeitgenössischen Ideenspannungen, Gleichzei- tigkeiten und Zugehörigkeiten zu gemeinsamen Feldern.


Die Ausgangssituation im ausgehenden neunzehnten Jahr- hundert war, dass das Christentum an Glaubwürdigkeit einzu- büßen begann. Die Frage danach, wie man dem Menschen eine vertikale Spannung erhalten könne, die den Menschen als metaphysischem Tier Gerechtigkeit widerfahren lässt. Und wie man einen Zug von oben erzeugen kann, wenn die Leiter, auf der man nach oben klettert, oben aber nicht mehr angelehnt werden kann, weil die andere Seite des Ufers nicht mehr ge- geben ist. ….


Nietzsche hat aus dieser Konstellation heraus die intellektuellen Isobaren und Isothermen des kommenden Jahrhunderts defi- niert und Steiner lebte innerhalb desselben spirituellen Druck- systems.“ ...


(StS)


Eindrücke von der Ausstellung und Ausschnitte aus dem über eine Stunde dauernden Gespräch, sehen Sie im Video auf unserer Website: www.actlive.de/videos.


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