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ÖSTERREICH JOURNAL


NR. 101 / 04. 11. 2011 Wirtschaft


abzuarbeiten, sogar neue Jobs entstanden sind. Die aktuelle Umfrage macht dennoch klar, daß die österreichische Industrie ihren Konjunkturhöhepunkt mittlerweile deutlich überschritten hat und in den kommenden Monaten mit einer anhaltenden Verschlech- terung der Geschäftslage zu rechnen hat. Das aktuelle Verhältnis zwischen Auftrags- und Lagertrends, das der zuverlässigste Indikator für die Entwicklung der kommen- den Monate ist, hat sich im Oktober spürbar verschlechtert und erreicht derzeit den glei- chen Wert wie im Herbst 2008, knapp nach der Lehman-Pleite. „Aufgrund der aktuellen Umfrageergebnisse des Bank Austria Ein- kaufsManagerIndex müssen wir für die kom- menden Monate von einer leichten Rezes- sion der österreichischen Industrie ausgehen. Dank des Überhangs aus dem ersten Halb- jahr rechnen wir für das Gesamtjahr 2011


allerdings noch mit einem Industriewachs- tum von beachtlichen 7 Prozent“, so Bruck- bauer.


Der Start ins neue Jahr wird für die hei- mischen Produktionsbetriebe jedoch sehr schwierig, sodaß die Aussichten für 2012 trotz einer erwarteten Nachfragebelebung im späteren Jahresverlauf sehr verhalten ausfal- len. Neben den Vorproduktherstellern ver- liert auch der Großteil der Investitionsgü- terbranchen im Vergleich zu 2011 deutlich an Schwung. Das Produktionswachstum aller größeren Industriebranchen wird sich wenigstens halbieren, wie die aktuellen Wachstumsprognosen der wichtigsten Ziel- länder, gewichtet mit der spezifischen Absatzstruktur der einzelnen Branchen, zei- gen. „Insgesamt erwartet Österreichs In- dustrie 2012 jedoch kein nachhaltiger Ab- schwung und ein Produktionsplus um 3 Pro-


zent sollte möglich sein. Vor allem die hohe internationale Konkurrenzfähigkeit vieler Branchen sollte für die baldige Fortsetzung des industriell geprägten Aufschwungs der letzten zwei Jahre sorgen“, faßt Bruckbauer die Aussichten für die österreichische In- dustrie im kommenden Jahr zusammen. Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signa- lisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufslei- tern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.


 Österreichs Unternehmen stärken


bestehende Auslandsbeteiligungen Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2011


Ö


sterreichische Direktinvestoren haben im ersten Halbjahr 2011 mit 10 Mrd. Euro erhebliche Finanzmittel im Ausland neu veranlagt. Im Gegenzug haben auch aus- ländische Geldgeber in heimische Unter- nehmen 8,6 Mrd. Euro investiert. Diese Ent- wicklung deutet jedoch keineswegs auf ein optimistisches Investitionsklima hin, da die Mittel beiderseits vorwiegend in bereits be- stehende Beteiligungen flossen. Als Folge der anhaltend unsicheren Rahmenbedingun- gen an den Kapitalmärkten wagen sich hei- mische Unternehmen derzeit nur selten an neue Beteiligungen. Gleichzeitig verschob sich der Anlageschwerpunkt merkbar nach Westeuropa, während bislang wichtige Ziel- gebiete in Mittel-, Ost- und Südosteuropa an Bedeutung verloren, wie die Oesterreichi- sche Nationalbank bekanntgab. Im Verlauf des ersten Halbjahres 2011 haben heimische Direktinvestoren 10 Mrd. Euro im Ausland neu veranlagt, wovon 6,9 Mrd. Euro auf Eigenkapital, 300 Mio. Euro auf reinvestierte Gewinne und 2,8 Mrd. Euro auf Kreditgewährungen entfielen. Nur in den drei Halbjahren vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise Mitte 2008 waren hö- here Beträge investiert worden. Umgekehrt flossen mit 8,6 Mrd. Euro auch deutlich mehr Finanzmittel aus dem Ausland nach


Österreich als zuletzt. Die Eigenkapitalkom- ponente war hier mit 4,9 Mrd. Euro ebenfalls hoch und die reinvestierten Gewinne mit 400 Mio. Euro gering; 3,3 Mrd. Euro entfielen auf erhaltene konzerninterne Kredite. Auf der Passivseite markiert das Berichtsseme- ster den dritthöchsten Zufluß in einem Halb- jahr. Trotzdem kann man nicht von einem wirklichen Aufschwung der grenzüber- schreitenden Investitionsaktivitäten spre- chen, da das Ergebnis des Berichtshalbjahres von der Einbringung des österreichischen Autohandelsunternehmens Porsche Holding in den VW-Konzern durch die in Österreich ansässigen Eigentümerfamilien dominiert wird. Daraus resultierten sowohl aktiv- als auch passivseitig erhebliche Direktinvesti- tionen. Dazu kommt, daß in beiden Richtun- gen vorwiegend in bestehende grenzüber- schreitende Beteiligungen investiert wurde, wobei in einer nicht unerheblichen Zahl der Fälle Verlustabdeckungen und Kapitalstär- kungen das Motiv gewesen sein dürften. Ein deutlich positives Signal sind hingegen die rekordhohen Gewinnausschüttungen: Heimi- sche Investoren lukrierten bis Ende Juni 2011 4,7 Mrd. Euro an Gewinnanteilen, mehr als jemals zuvor; an ausländische Eigentümer flossen 3,1 Mrd. Euro aus ihren österreichi-


schen Beteiligungen. Diese hohen Aus- schüttungen sind gleichzeitig die Erklärung für die relativ geringen Reinvestitionen. Die Aufgliederung der aktiven Direkt- investitionen nach Zielländern spiegelt eben- falls eine deutlich veränderte Situation wi- der: Von den früher dominierenden Ziellän- dern Mittel-, Ost- und Südosteuropas schei- nen 2011 nur Rußland und Kasachstan mit 280 bzw. 240 Mio. Euro an Neuinvestitionen unter den ersten Zehn auf. Nach dem Spit- zenreiter Deutschland (+3,6 Mrd. Euro) fol- gen das Vereinigte Königreich (+1,5 Mrd. Euro) und Frankreich (+1,1 Mrd. Euro vor- wiegend aus Konzernkrediten). Die Cayman Islands, Niederlande und U.S.A. liegen be- reits mit erheblichem Abstand zurück. Bei der Herkunft der ausländischen Di- rektinvestitionsmittel dominieren Deutsch- land und Italien mit einer Zufuhr von +4,0 Mrd. Euro bzw. +3,3 Mrd. Euro. Die Positio- nierung Gibraltars auf Platz 4 mit 780 Mio. Euro reflektiert u.a. die Fusion der österrei- chischen bwin Interactive Entertainment AG mit der britischen PartyGaming Plc. Brasi- liens 6. Platz (610 Mio. Euro) ist Ausdruck einer seit kurzem zu beobachtenden wach- senden Beliebtheit Österreichs als Standort für brasilianische Holdinggesellschaften. 


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