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ÖSTERREICH JOURNAL


NR. 101 / 04. 11. 2011 »Burgenland Journal«


senden wurden sie, zusammengepfercht in Viehwaggons, nach Auschwitz oder in ande- re Vernichtungslager gebracht. Der „Endlö- sung“ fielen insgesamt 5 bis 6 Millionen Juden zum Opfer.


Ein ähnliches Schicksal wie die Juden er- lebten auch die Roma des Burgenlandes. Obwohl sie als „Arier“ galten, wurden sie gnadenlos verfolgt und getötet. Die ersten Maßnahmen Portschys gegen die „Zigeuner“ waren das Verbot des Bettelns und der Land- streicherei sowie das Verbot, an der Volks- abstimmung teilzunehmen. Ihnen war nicht erlaubt, die Schule zu besuchen, sich auf öffentlichen Plätzen zu versammeln oder öf- fentlich zu musizieren. Mischehen waren ihnen strengstens untersagt. Nach Portschy waren sie „Eindringlinge, Schmarotzer und orientalische Pestträger“.


1938 kamen die ersten Roma ins KZ Da- chau und in das KZ Ravensbrück. Ab No- vember 1940 gab es im Burgenland das „Zigeunerlager Lackenbach“.


Die ersten Deportationen aus Lackenbach erfolgten in das Ghetto von Lodz (Polen). Zwei Züge waren mit je 1000 Personen be- laden. Dauernde Lagerwechsel, medizini- sche Versuche, Schikanen und systematische Vernichtung führten zum Tod der Betroffe- nen. Keiner hat Lodz überlebt. Eineinhalb Jahre nach der Räumung des Ghettos setzte das NS- Regime den traurigen Schlußpunkt unter das Kapitel „Kampf dem Zigeunerun- wesen“. Tausende wurden im Vernichtungs- lager Auschwitz-Birkenau ermordet. Allein aus dem südlichen Burgenland wurden rund 5200 Roma in Sammel- und Konzentrationslager gebracht, ein großer Teil davon kam nie mehr zurück. Von den 3000 des Bezirkes Oberwart waren nach 1945 nur noch 200 zurückgekehrt.


Widerstand gegen die NS-Diktatur


Alle wichtigen Funktionäre der politi- schen Parteien wurden überwacht, zum Teil sogar verhaftet. Damit waren diese Organi- sationen führerlos. Der Wille zum Wider- stand war zunächst gebrochen. Doch bald gab es auch im Burgenland Gruppen, die Widerstand leisteten: Arbeiter, Angestellte, Selbständige oder Kirchenvertreter lehnten sich gegen das unmenschliche Regime auf. Diese Gegner- schaft äußerte sich in kritischen Anmerkun- gen zum Hitlerstaat, Flugblattaktionen, im Abhören von ausländischen Sendern, in pas- sivem Streik oder in Kleinsabotage. In Deutschkreutz gab es eine Gruppe jun- ger Arbeiter, die den Nationalsozialismus


Viele Widerstandskämpfer wurden von der Gestapo verhaftet, zum Tode ver- urteilt und hingerichtet. Hier ein Plakat über die Hinrichtung von Widerstands- kämpfern aus Stegershach, Bernstein und Tauchen. Es sollte als Warnung für alle verstanden werden.


bekämpfen wollten. Anführer war E.Gabriel, zugleich Nazi-Funktionär. Man entfernte NS-Plakate und durchtrennte Fernsprech- und Lichtleitungen. Mehrere ihrer Mit- glieder wurden im Mai 1944 verhaftet, ge- foltert und getötet. In Parndorf bzw. Jois gab es Schmier- aktionen, und auch eine Hitlereiche wurde umgeschnitten. Der Anführer dieser Gruppe kam im KZ Mauthausen um.


Eine Romasiedlung in Unterschützen, die zwangsweise geräumt werden mußte. In Pinkafeld existierte die umfangreichste


Widerstandsgruppe des Burgenlandes. Sie verteilte Anti-NS-Material und unterhielt Verbindungen bis in den Seewinkel und nach Wien. Mitglieder dieser Gruppe wurden 1941-1942 verhaftet, manche zum Tode ver- urteilt.





Serie Teil 1: Von den Jägern und Bauern der Steinzeit bis zum Niedergang des Römischen Reiches http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_092.htm Teil 2: Vom beginnenden Frühmittelalter bis zu Andreas Baumkircher, dem Herrn von Schlaining. http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_093.htm Teil 3: Von der Periode der Türken- und Kuruzzenkriege (1529-1711) bis zur Gegenreformation im 17. Jhdt http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_094.htm Teil 4: Vom Leben im 18. Jahrhundert bis zum anbrechenden Industriezeitalter http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_096.htm Teil 5: Von Industrie und Gewerbe im 19. Jahr- hundert, der einsetzenden Auswanderung und vom Beginn der Sommerfrische http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_097.htm Teil 6: 19. Jahrhundert – das Land im Zeichen politischer Umgestaltung http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_098.htm Teil 7: 20. Jahrhundert – vom Ersten Weltkrieg bis zur Zeit unter dem Kruckenkeuz http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_100.htm


Bildnachweis Leopold Banny, Lackenbach; Burgenländisches Landesarchiv, Eisenstadt; Burgenländisches Lan- desmuseum, Eisenstadt; Michael Floiger, Loipers- bach; GRU-Mediathek Lutzmannsburg, Foto- archiv Atelier am Berg, Mattersburg; Hugo Huber, Weiden am See, Fotostudio Muik, Güs- sing; Gerhard Mollay, Neusiedl am See.


»Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at


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