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ÖSTERREICH JOURNAL


NR. 101 / 04. 11. 2011 »Burgenland Journal«


Einheitspartei und wurde politisch „ausge- richtet“. Von den 388 Volksschulen des Burgen- landes waren vor der Machtübernahme der Nazis 318 sogenannte „Konfessionelle Schu- len“, also Schulen im Aufsichtsbereich der Kirchen. Nach der Machtübernahme wurden 8 Lehrer sofort verhaftet, 51 des Dienstes enthoben.


Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung


Nicht alle jubelten!


Besonders für politisch Andersdenkende, Juden und Zigeuner begann eine schwere Zeit. Bald nach dem Anschluß kam es zu ersten Einlieferungen in das Konzentrations- lager Dachau (unweit von München). Auch Burgenländer waren von dieser Verhaftungs- welle betroffen.


Maßnahmen gegen kirchliches Leben


Immer wieder kam es zu Maßnahmen gegen das kirchliche Leben. Vereine und Verbände der Kirchen wurden aufgelöst und die Seelsorgearbeit behindert. Vergeblich versuchten deren Vertreter, mit den national- sozialistischen Machthabern zu einer Rege- lung zu kommen. Tatsächlich durfte einzig und allein in der Bezeichnung Apostolische Administratur Burgenland der Landesname offiziell weiterbestehen.


Erklärtes Ziel der neuen Machthaber war, den kirchlichen Einfluß auf die Bevölkerung so klein wie möglich zu halten. Der Reli- gionsunterricht selbst erfolgte, wenn über- haupt, in sogenannten Erbauungsstunden außerhalb der Schulgebäude. 88 Priester er- hielten Schul- und Predigtverbot. Einige


Judenverfolgung im Burgenland


Fast nirgendwo in Deutschland waren die Judenverfolgungen so hart und streng wie im Burgenland. Schon im Jahre 1938 waren Port- schys antijüdischen Maßnahmen auf die spä- tere „Endlösung“ der Judenfrage ausgerich- tet. Damit gelang es ihm, das Burgenland in kürzester Zeit „judenrein“ zu machen. Jüdische Bewohner waren bald aus dem


öffentlichen Leben ausgeschlossen: Sie durf- ten keine öffentlichen Veranstaltungen besu- chen, nicht zur Schule gehen und mußten als Kennzeichen einen gelben Stern tragen. Der


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Der prominenteste burgenländische Politiker, der in ein Konzentrationslager eingeliefert wurde, war Landeshaupt- mann Hans Sylvester, der im KZ Dachau ums Leben kam.


wurden wegen NS-Kritik in das KZ Dachau eingeliefert. Über 20 Geistliche verbrachten längere Zeit in Gefängnissen.


Kroaten im Nationalsozialismus


„®ivio Hitler“ („Heil Hitler“) vernahm man zunächst aus so manchem kroatischen Munde. Doch bald merkte man, daß der Verlust der Minderheitenrechte (Sprache, Schule, Volkstum, …) drohte. Der kroatische Unterricht an den Schulen des Burgenlandes wurde immer mehr eingeschränkt. Die El- tern wurden zunehmend eingeschüchtert und ständigen Befragungen durch nationalsozia- listische Behörden ausgesetzt. Die Stelle des kroatischen Schulinspektors blieb unbesetzt, zahlreiche kroatische Lehrer wurden ver- setzt.


Jakob Grünleid, Rabbiner der israeliti- schen Kultusgemeinde in Güssing, floh nach New York, wo er später starb.


Umgang mit ihnen war bei Strafe verboten, und die Ausübung bestimmter Berufe blieb den „Schmarotzern“ verwehrt. Eheliche Ver- bindungen mit diesen „Untermenschen“ gal- ten als „Rassenschande“.


Diese grausame Politik führte dazu, daß


in burgenländischen Dörfern und Städten nicht wenige Menschen an den antijüdischen Maßnahmen teilnahmen und sich dabei per- sönlich bereicherten. Arisierung jüdischen Gutes stand an der Tagesordnung. Darunter verstand man die Übernahme jüdischer Be- triebe, Geschäftsläden, Häuser oder Grund- stücke für einen Spottpreis. Im Sommer 1938 erhielten mehr als 4000 Juden im Bur- genland von der Gendarmerie Ausweisungs- befehle zugestellt. Es war aber nicht leicht, ins Ausland zu gelangen. Sehr viele wurden von der jüdischen Kultusgemeinde in Wien aufgenommen.


Abbruch der Synagoge in Frauenkirchen an Jahr 1938


Im Jahre 1942 begann dann der Abtrans- port der Juden in Vernichtungslager. Zu Tau-


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