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ÖSTERREICH JOURNAL


NR. 101 / 04. 11. 2011 »Burgenland Journal«


gebot Sylvesters, der NSDAP in der Landes- regierung zwei Sitze zu überlassen, wurde von Portschy ausgeschlagen.


Die Nazilawine kommt in Bewegung


Am 21. Feber 1938 versammelten sich in Eisenstadt 800 bis 1000 Menschen vor dem Landhaus und sangen am Schloßplatz „Lieder der Nation“. Eine Woche später zogen in Oberwart an die 8000 Personen mit Hakenkreuzfahnen und „Heil“-Rufen durch die Stadt.


Nach dem Höhepunkt von 1923 (6700) trat nach der Beschränkung der gesetz- lichen Einwanderung in die USA ein starker Rückgang auf 400 im Jahre 1925 ein. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise kehrten rund 3500 Burgenländer in ihre alte Heimat zurück (Rückwanderung). Die Gesamtzahl der Überseewanderung betrug in der Zwischenkriegszeit rund 25.000.


Der Burgenländer als »Zugvogel«


Die Armut der überwiegend bäuerlichen Bevölkerung zwang vor allem jüngere Men- schen, die Heimat für immer zu verlassen. Viele Wanderarbeiter bauten sich in anderen Bundesländern eine ständige Existenz auf. Besonders Wien und Niederösterreich profi- tierten vom „Bevölkerungsspender“ Burgen- land.


»Über den großen Teich«: Die Amerikawanderung


Die beliebtesten überseeischen Zielländer


für eine Auswanderung waren stets die Ver- einigten Staaten von Amerika. Schon um 1850 siedelten sich dort vereinzelt Burgen- länder an. Die Auswanderungswelle, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark anschwoll. ebbte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wieder ab. Wie bitter die soziale Lage der Menschen im Burgenland in der Zwischen- kriegszeit war, spiegelt sich deutlich in den Auswanderungszahlen. Jeder dritte all derer, die Österreich verließen, war Burgenländer.


Zahlen der Auswanderer nach Übersee


Ab 1920 stieg die Zahl der Burgenländer, die in die USA auswanderten, von 600 auf 6700 im Jahre 1923. Nach dem starken Rückgang 1925 stieg die Quote 1928 wieder auf 1500 an, um anschließend entgültig zu verflachen.


Das Burgenland zur Zeit des Nationalsozialismus 1938-1945


Nach den „Berchtesgadener Gesprächen“


zwischen Adolf Hitler und Bundeskanzler Kurt Schuschnigg kam es auch zu Gesprä- chen zwischen Landeshauptmann Hans Syl- vester und dem Führer der NSDAP Burgen- land, Tobias Portschy, in Oberwart. Das An-


Güssinger Auswanderer warten in Bremen vor ihrem Schiff (1935). Insgesamt gehen bis 1939 rund 20 % der Bevölkerung des Güssinger Bezirkes nach Über- see. Das ist auch international gesehen ein Spitzenwert!


»Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at


Die burgenländischen Politiker überleg- ten gesetzliche Maßnahmen, um die Ab- und Auswanderung zu beschränken – wie diese zeitgenössische Karikatur ver- deutlicht.


Als letzten Ausweg aus der schwierigen Situation zwischen Hitler-Deutschland und Österreich sah Schuschnigg in einer Volks- befragung, die er kurzfristig für den 13. März 1938 ansetzte. Die Österreicher waren auf- gerufen, sich mit einem „Ja“ zu Österreich zu bekennen. Der burgenländische Landes- hauptmann Sylvester wollte in einer Rund- funkansprache für ein „Ja“ bei der Volks- befragung werben. Doch dazu kam es nicht mehr.


In Berlin fürchtete man zu Recht, daß die


Volksabstimmung zugunsten Österreichs en- den würde.


Adolf Hitler stellte ein Ultimatum an Ös- terreich, die Volksabstimmung zu verschie- ben, andernfalls das Deutsche Reich mit sei- ner Wehrmacht in Österreich einmarschieren würde. Das Bundesheer wurde alarmiert. Eine Einheit der Schnellen Division aus der Kaserne Neusiedl am See brach in Richtung Oberösterreich auf.


Unter dem „Druck von der Straße“ und Hitlers Drohnungen beugte sich Schusch- nigg schließlich der Gewalt und verschob die Volksbefragung auf unbestimmte Zeit.


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