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ÖSTERREICH JOURNAL


NR. 101 / 04. 11. 2011 Serie »Österreicher in Hollywood«


großen Emigrantenstroms erreichte die Fa- milie 1939 Hollywood. Während Gisela Werbezirk an Exilbüh- nen, später auch beim Film Arbeit fand, spürte ihr Mann und früherer Manager die Not vieler Refugees. Er blieb fast zwei Jahre ohne Job, versuchte sich jedoch in kleineren Unternehmungen. Als seine Frau bei einem Studio vorsprach und sich erfolglos um eine Rolle bewarb, fiel der sie begleitende Gatte dem Besetzungschef auf. Den störte es nicht, daß Piffl kein Schauspieler war, da er dessen joviale Erscheinung interessant fand. Der Wiener, auf diese kuriose Weise im Septem- ber 1940 im Filmgeschäft gelandet, amerika- nisierte seinen Namen und begann unter dem Patronat von Paul Kohners bekannter Agency eine Karriere als Kleindarsteller.





1) Purkersdorf ist ein Vorort von Wien. 2) Sterbedatum gemäß Strauss, Herbert A.:


Gisela Werbezirk (3.v.l.) und ihr Gatte John Piffle (3.v.r.) zu Besuch im Hause des aus Brünn stammenden Exil-Autors Jan (Hans G.) Lustig (im Vordergrund mit hel- lem Anzug) in Beverly Hills.


grantentruppe „The Players from Abroad“ und an Kurt Robitscheks wiederbelebtem „Kabarett der Komiker“. Wenngleich man in Hollywood noch nie von ihr gehört hatte, blieb ihr die Welt des Films nicht verschlossen. Es waren teils frü- here europäische Freunde, die sie beschäftig- ten (nun Werbiseck, auch Giselle Werbisek) und zu einem kleinen Einkommen verhalfen, die Regisseure William (Wilhelm) Dieterle, Robert Siodmak, John (Hans) Brahm und ihr Landsmann Arnold Pressburger. Gleichwohl wie viele der einst glänzenden Namen ihrer Zeit meist nur in kleinen, aber guten Rollen eingesetzt, schätzte man in Amerika ihre von schwerem Akzent geprägten Charakterdar- stellungen. Kritiker wußten um das Faktum, daß die Schauspielerin zu den Größen des deutschsprachigen Vorkriegstheaters zählte und verglichen sie mit Marie Dressler, eine der führenden Komödiantinnen des Landes. Ihre Filmografie umfaßt über 20 Rollen, Müt- ter, Großmütter, ältere Frauen und komische Chargen, u.a. in den zwei RKO- und Warner Bros.-Großproduktionen „The Hunchback of Notre Dame“ („Der Glöckner von Notre Dame“, 1939) und „Dr. Ehrlich’s Magic Bullet“ („Paul Ehrlich – Ein Leben für die Forschung“, 1940), in „So Ends Our Night“ (1941), in dem sie ergreifend eine schicksals- geplagte Emigrantin verkörperte, in Press- burgers Komödie „A Scandal in Paris“ („Ein eleganter Gauner“, 1946), Paramounts „Gol- den Earrings“ („Goldene Ohrringe“, 1947), in dem sie neben Marlene Dietrich agierte


International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, Bd. II, München: Saur 1993. Das Branchenblatt Variety verweist im Nachruf gleichfalls auf dieses Datum. Andere Quellen nennen den 10. April 1956.


Anzeige in der Nr. 13a der New Yorker deutschsprachigen Emigrantenzeitschrift Aufbau vom 1. Jänner 1939


und in dem von Gottfried Reinhardt produ- zierten MGM-Drama „The Great Sinner“ („Der Spieler“, 1949) nach Dostojewski. Obwohl Gisela Werbezirk Hollywood wie „Purkersdorf mit Palmen“1)


empfand, in


dem sie „happy, aber nicht glücklich“ war, mochte sie die unkonventionelle amerikani- sche Lebensart und den Umstand, in der Filmmetropole niemals zu weit weg von ihrer Profession zu sein. Aufgrund einer schweren Erkrankung beendete sie 1953 ihre berufli- che Tätigkeit, Gisela Werbezirk starb am 15. April 1956 in Hollywood2)


. John Piffle Johann (Hans) Piffl (1885-1951), ein


Verwandter des Wiener Kardinals Friedrich Gustav Piffl, mußte 1938 nach dem „An- schluß“ mit seiner jüdischen Frau Gisela und dem Sohn außer Landes gehen. Als Teil des


Rudolf Ulrich


„Österreicher in Hollywood“; 622 Seiten, zahlreiche Abb., 2. überarbeitete und erwei- terte Auflage, 2004; ISBN 3-901932-29-1; http://www.filmarchiv.at


»Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at


it dem Buch „Österreicher in Holly- wood“ legte der Zeithistoriker Rudolf Ulrich die lang erwartete Neufassung seines 1993 erstmals veröffentlichten Standardwer- kes vor. Nach über zwölfjährigen Recherchen konnten 2004 die Ergebnisse in Form einer revidierten, wesentlich erweiterten Buchaus- gabe vorgelegt werden. „Diese Hommage ist nicht nur ein Tribut an die Stars, sondern auch an die in der Heimat vielfach Unbe- kannten oder Vergessenen und den darüber- hinaus immensen Kulturleistungen österrei- chischer Filmkünstler im Zentrum der Welt- kinematographie gewidmet: „Alles, was an etwas erinnert, ist Denkmal“, schließt der Autor.


M


Rudolf Ulrich und der Verlag Filmarchiv Austria bieten Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, die Mög- lichkeit, in den kom- menden Monaten im „Österreich Journal“ einige Persönlichkei- ten aus dem Buch „Österreicher in Hol- lywood“ kennenzuler- nen.


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Foto: Filmarchiv Austria


Foto: Archiv Ulrich


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