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... wenn man mit den Kindern arbeitet, dann erkennt man, dass da so viel Potenzial ist.


Heute schon „geschöpfert“? Interview mit Wolfgang Saure von der Alten Schmiede, Bad Arolsen, am 20. August 2011 Andy Gheorghiu für Naturverbunden.info


Der Mythos von der Erschaffung des Menschen aus Erde vom Ackerboden (bzw. Lehm bzw. Ton) ist vielen von uns bekannt. Sie ist uns unter anderem durch das 1. Buche Mose, die Genesis, überliefert. Doch weder Juden noch Christen noch Moslems haben die Erstvariante der Sto- ry bekannt gemacht. Nach ei- nem alten griechischen Mythos mischte der Titanensohn Prome- theus die junge Erde, die kurz zu- vor vom hohen Äther getrennt wor- den war, mit fließenden Wellen und formte sie nach dem Bildnis der al- les lenkenden Götter (Ovid, Meta- morphosen I, 76-88). Athena, die Göttin der Weisheit, blies dem just erschaffenen Wesen den Le- benshauch ein. Die sumerische Urmutter Nam- mu erschuf der Legende nach auf Anweisung ihres Sohnes Enki aus einem Klumpen Lehm die Menschen. Als die babyloni- sche Mami wiederum beteiligte sie sich an der Erschaffung des Menschen aus Lehm und dem Blut eines erschlagenen Gottes. Doch der Wind muss auch den berühmten Stätten Mesopota- miens die Geschichte von wo- anders kundgetan haben, denn die unglaublich elaborierten antropomorphen und zoomor- phen Ton- und Keramikwaren aus dem Kulturraum Alt-Euro- pas beweisen plastisch, dass der Geist dieser Geschichte dorthin geweht worden ist. Es sind eben diese aus Ton und Lehm geform- ten menschen- und tiergestalti- gen Figurinen und Gefäße, die in Alt-Europa, der „Wiege der Zivi-


lisation“, von der Verbundenheit zur Erde, und dem Bewußtsein über die Wandlung oder Neu- kreation der Form eines jeden Wesens auf bzw. in dieser Erde, zeugen. Und in der Form der Ge- schichte von der Erschaffung des Menschen, modelliert aus mit Wasser gemischter Erde und ge- härtet durch das vom Wind am Brennen gehaltene Feuer, fand dieses Bewusstsein seinen Weg durch die Religionsgeschichte bis in die Neuzeit. Unzählige menschliche Hände wurden über die Jahrtausende hinweg in die feuchte Erde ge- taucht, um – mittels des göttli- chen Funkens namens Kreativi- tät – aus dieser Masse etwas zu erschaffen, das diese Welt Kraft ihrer selbst nicht vermag. Das waren keine reinen Hand-Werk- zeuge mehr, die wir dort form- ten, es waren Bilder des Geistes ausschließlich für den Geist. Und diese „Arbeit“ ermöglichte es uns, die Grenzen der Realität in einer Art und Weise zu durch- brechen, wie wir es wahrschein- lich nicht für möglich gehalten hätten. Wir haben uns mit Wolfgang


Saure getroffen, der uns davon erzählt hat, in welcher Art und Weise das schöpferische Wir- ken in der Alten Schmiede in Bad Arolsen Menschen und ihr Bewusstsein immer noch verän- dern kann.


NATURVERBUNDEN.INFO: Gleich am Anfang: Was können die Menschen erwarten, die die


Nr. 3/2011 Naturverbunden.info


Schmiede aufsuchen? Um was für ein Projekt handelt es sich ei- gentlich hierbei? WOLFGANG SAURE: Ja, die Anfänge dessen, was jetzt hier in der alten Schmiede passiert, liegen darin, dass ich vor sieben Jahren das Töpfern wiederent- deckt habe. Ich hab‘ das wäh- rend der Abizeit gemacht, im Leistungskurs Kunst, und habe es dann wiederentdeckt in Sach- sen, in einer kleinen Töpferei, wo ich durch Zufall hingeraten bin. Dort bin ich dann die letz- ten fünf, sechs Jahre so dreimal im Jahr immer hingefahren und hab’ da einfach mitgearbeitet. War sehr schön. Was mir insbe- sondere gefallen hat, war, dass es da nicht allein nur ums Töp- fern geht, sondern dass da Leu- te hinkommen, die ganz einfach sich spontan an so ’n Holztisch setzen, anfangen kreativ zu sein und kommunizieren. Da wird einfach erzählt, da wird nicht großartig taktiert oder überlegt, sondern die Leute sind einfach authentisch. Ich hab’ dort zum Beispiel ’ne ältere Dame getrof- fen, die kam da rein, ich hatte da gerade was gemacht, und die hat dann gesagt: „Ach ja, das würde ich auch gerne machen, aber mei- ne Mutter, die hat mir das immer verboten. Und meine Schwester durfte das.“ Die Frau war über 65 Jahre alt. NATURVERBUNDEN.INFO:


Das heißt, ihre Mutter hat ihr das Töpfern verboten? WOLFGANG SAURE: Ja ge-


nau. Die war ganz gefrustet und da sag’ ich so zu ihr: „Wissen Sie


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