Es gibt viel mehr Menschen, die diese Zustände, unter denen wir alle leben, geändert haben möchten.
Überall in der Welt. Auch hier in Europa. Tierschutz ist ja nicht ein eigenständiges Problem, son- dern das Grundproblem ist im- mer, wie Menschen mit anderen Lebewesen umgehen. Mit was für ’nem Bewusstsein
trete ich ’nem anderen Individu- um gegenüber, ob das ’n Tier ist, ’ne Pflanze, ’n Mensch oder so. Ich kann alles behandeln, als ob es nur für mich geschaffen wur- de, und ich kann das ausbeuten und nutzen und nehmen, bis nichts mehr da ist, oder ich kann erkennen, dass wir irgendwann mal von einer Mutter ernährt werden, die dann irgendwann uns nicht mehr ernähren muss, und wo dann eine andere Mut- ter uns ernährt, und zwar dieser Planet, der alles abwirft. Ob man nun Fleisch isst oder ob man Ve- getarier ist, alle Ernährungsfor- men basieren nun mal auf Pro- dukten aus der Natur, das heißt, wir sind hier eingebettet, wir kommen ja hier nicht raus, und jeder muss erkennen, dass das Ganze nur funktioniert, wenn man nicht nur nimmt, sondern auch gibt. Es wird einfach nicht weitergedacht, weil man den Menschen eben beibringt, Ver- antwortung abzugeben, indem man alle vier Jahre irgendwo ’n Kreuz macht. Wir haben jeden-
falls gesagt, wir machen das nicht mehr, sondern wir machen einfach sel- ber, und dann war da der Gnadenhof die beste Idee, alles miteinander zu ver- binden. Man sieht in dem Moment, ich habe etwas Gutes tun können. Andere Leute sehen das. Andere Leute sind irgendwo ergriffen davon, fragen, warum man das macht, und man steckt Leute an mit ’nem guten Gedanken.
NATURVERBUNDEN.INFO:
Wie hat es euch dann letztendlich zur Stiegmühle verschlagen? NORMAN: Wir haben ja wie gesagt so ’n Ding schon in Bie- lefeld gehabt und sind ja nur umgezogen nach Vöhl, weil wir Weideflächen verloren haben, die wir gepachtet hatten. Wir ha- ben dann gezielt nach ’nem Hof gesucht, wo Eigenland direkt bei dem Hof liegt und nicht kilome- terweit weg ist, weil wir eben keine Zeit haben, hin und her zu fahren. Zudem haben wir immer ’n ungutes Gefühl, wenn die Tie- re kilometerweit weg stehen und du nicht sehen kannst, wer da grad’ über’n Zaun klettert. Vöhl war unsere B-Alternative
Tierschutz ist ja nicht ein eigenstän- diges Problem, son- dern das Grund- problem ist immer, wie Menschen mit anderen Lebewesen umgehen.
von den letzten Höfen, die wir uns zuletzt noch angeguckt ha- ben, und zwar, weil vom Luftbild her diese Aseler Straße saubreit aussah. Deswegen sind wir erst noch zu ’nem anderen Objekt im Rhein-Sieg-Kreis in so ’nem Fünf-Seelen-Dorf gefahren. Und da wären wir eigentlich hinge- zogen, da hat uns die Gemeinde aber Baugenehmigungen für die Einzäunung versagt. Und dann sind wir eben doch hierhin ge- fahren, trotz der Straße, und wir sind froh, dass wir hier gelandet sind, und jetzt auch froh darüber, dass der Hof einsehbar ist. Denn wir haben nichts zu verbergen und da- durch, dass wir mit ganz vielen Leuten sprechen und im- mer wieder erklä- ren, warum wir das machen, und die Leute von alleine inzwischen ankom- men, schaffen wir uns einen unglaub- lich großen Pulk
von Menschen um uns herum, die uns unterstützen und auf un- serer Seite stehen. Das ist einfach schön, dass man jetzt nicht mehr so Angst haben muss, dass da
Nr. 3/2011
Naturverbunden.info
wieder einer ’n Pony, ’n Hund oder sonst was am Zaun anbin- det, wenn wir nicht da sind. Wir sind sehr froh, dass mehr Leute drauf gucken, und zumindest dieses Aussetzen, was wir in den ersten Monaten sehr häufig hat- ten, komplett aufgehört hat. Das ist ganz nett, dass es so gewach- sen ist.
NATURVERBUNDEN.INFO:
Wie viele Leute sind hier über- haupt aktiv? NORMAN: Im Moment sind
wir 4 feste Bewohner und ein Anwärter, der gerne hier run- terziehen möchte, ’n 70-jähriger Pensionär, ehemaliger Land- schaftsgärtner und -architekt, der sich hier auch gerne mit Selbstversorgung verwirklichen möchte, aber da müssen mit ihm noch ’n paar Dinge abgeklärt werden. Grundsätzlich haben wir aber noch Wohnfläche zur Verfügung und jeder, der viel- leicht hier wohnen und mitma- chen möchte, kann jederzeit auf uns zukommen.
NATURVERBUNDEN.INFO:
Die Thematik der nächsten zwei Fragen, die wir eigentlich für euch hatten, die hast du schon ’n bisschen vorweggenommen. Ich stelle sie trotzdem mal, weil du das Ganze noch ergänzen kannst. Die erste Frage wäre, was für eine Lebensphilosophie als Fundament für das „Leitkonzept des Gnadenhofes“ fungiert, und die zweite Frage wäre, wie diese Lebensphilosophie gewachsen ist und welche Aspekte, die mit unserer allgemeinen modernen Lebensweise zu tun haben, die- sen Wachstumsprozess beein- flusst haben. NORMAN: Wir alle haben uns
lange Zeit halt literarisch mit Re- ligion, Bewusstsein und so im Laufe unseres Lebens befasst. Das ist aber Zufall. Das haben wir einfach so festgestellt, als wir uns dann näher kannten und alle miteinander ins Gespräch
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