Die Eberesche erzählt von Annerose Schmid, Vöhl
Viele Tausend Jahre besiedele ich nun schon diese Erde, durch die Eiszeit wurde ich verdrängt, konnte aber Europa vom Norden bis zum Süden wiedererobern. Selbst im Hochgebirge bis zur Baumgrenze wage ich mich vor. Gerne werde ich aber auch im Garten, in Parks oder als Acker- begrenzung gepflanzt. Stehe ich als Einzelbaum, kann ich durch- aus bis zu 20 Meter hochwachsen und 200 Jahre alt werden. Gerne stehe ich am Waldrand, finde mich auf fast allen Böden zurecht, deswegen werde ich auch als Pionierpflanze bezeich- net, auf brachliegenden Flächen, Kahlschlägen usw. wachse ich schnell heran. Ihr Menschen habt mir viele Na- men gegeben, so heiße ich unter anderem Vogelbeere, Quitsche, Drosselbeere, Krametsbeere. Mein lateinischer Name Sorbus aucuparia leitet sich von latei- nisch „Vogelfang“ (aves capa- re) ab, denn mit meinen Beeren wurden lange Zeit Drosseln in tödliche Fallen gelockt.
Ich gehöre zur Familie der Ro- sengewächse, aufgrund meiner unpaarig gefiederten, esche- ähnlichen Blätter haben mir die Menschen den Namen Aber- esche, falsche Esche, gegeben. Meine Rinde ist glatt. Wenn ich älter werde, wird sie schwarz- grau und rissig. Die Oberseiten meiner Blätter sind dunkelgrün, die Unterseiten graugrün und filzig behaart. Im Herbst verfär- ben sie sich gelb bis tiefrot. Meine schönen gelblich weißen Blüten sind große Trugdolden,
12 Nr. 3/2011
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die von Mai bis Juni erscheinen; zu meinem Bedauern haben sie einen eher unangenehmen Duft, locken dadurch aber sehr viele Insekten an, insbesondere Flie- gen und Bienen. Durch ihre Bestäubung können sich dann meine Früchte entwi- ckeln, die mit ihrer scharlachro- ten bis orangenen Farbe für die Drosselfamilie begehrtes Futter sind. Die Vögel tragen damit zu meiner weiten Verbreitung bei. Auch ihr Menschen erfreut euch an meinen schönen Farben und ich weiß, auch an meinem anmu- tigen Wuchs. Mein Holz, das frü- her von Handwerkern geschätzt wurde, gewinnt wieder Ansehen bei euch Menschen, nicht nur bei den Holzbildhauern oder Schnit- zern.
Hartnäckig hält sich das Ge- rücht, dass meine Beeren giftig sind. Nun ja, zu viele davon im rohen Zustand gegessen bereiten Übelkeit, Erbrechen und Durch- fall. Die Ursache ist die darin enthaltene Parasorbinsäure, die sich allerdings durch Kochen verändert und somit keinen ge- sundheitlichen Schaden mehr für euch hat. Weiter enthalten meine Beeren u. a. ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Caro- tinoide, Vitamin C. Wollt ihr die Beeren sammeln, dann tut das besser nach dem ersten Frost, ihr bitterer Ge- schmack hat sich dadurch ab- geschwächt. Oder legt sie über Nacht in Essigwasser. Wie ich erfahren habe, könnt ihr sie auch in künstlichen Frost legen. Meine Verwandte, die Mährische Eberesche (Sorbus aucuparia
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