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Die etwa 20m lange Fensterwand der Kantine des Ziviljustiz-Gebäudes wurde


mit sieben Vorhängen neu dekoriert. Die formale Gestaltung der Stores ist streng und gleichför- mig. 490 Frühstücksbeutel, in denen 490 farbige, zum Teil mit Großbuchstaben bedruckte Papiere stecken, legen ein korrektes Raster über die Fensterfront.


Gleichzeitig sind volkstümliche Grundsätze in den Tüten konserviert. Die einzelnen Buchsta- ben setzen sich zu Sätzen wie „Voller Bauch studiert nicht gern“, oder „Fett schwimmt oben“ zusammen. Diese Regeln zitieren aus dem klein- bürgerlichen Gesetzbuch, das in Küchen geschrieben wurde, in denen Recht und Ord- nung herrschen.


einer ansonsten „uneigenen“ Arbeitssituation nicht in verdichteter Form das von der Arbeitswelt eingekeilte grundsätzliche Gerüst unse- res Lebens sichtbar und die prinzipielle Untrennbarkeit von beidem. — Nichts haben wir selbst an diesem Ort Kantine gestaltet; die Sitzord- nung und die Struktur der Abläufe ist vorgegeben, die Dinge stehen fest an ihrem Platz, die Regeln sind bestimmt, der „Frei-Raum“ ist sehr begrenzt. Was bleibt ist eine „Freizeit“ und „Freiheit“ für eine halbe Stunde, die sich auf Essen, Reden, Rauchen und Gestikulieren in einem festgelegten Rahmen beschränkt. Doch nichts destoweniger handelt es sich um eine Form der „Freizeit“ und „Freiheit“. Man hat eine halbe Stunde, über die man selbst verfügen darf, kann und soll, aber man muß nehmen, was da ist. Die Wahl liegt in drei verschiede nen Essen,


tzliche Gerüst unse- estaltet; die Sitzord-


„Frei-Raum“ ist sehr stikulieren in einem Man hat eine halbe rschiede nen Essen,


Foto: Lutz Fischmann Foto: Lutz Fischmann


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