»Die Papageien«
reihe zurückblicken. Hieronymus Bosch, Pieter Breughel d. J., der Schöpfer der labyrinthischen Kerkerszenen Giovanni Battista Pi- ranesi und der manieristische Maler Guiseppe Arcimboldo, der aus Obst und Gemüse grotesk anmutende Portraits schuf, können hier genannt werden. Gerade in Dalís Worten ist die Fülle an his- torischen Bezügen und Anspielungen, vor allem auf die Malerei des Manierismus, unübersehbar. Er hat sich nie aus der Tradition der abendländischen Malerei begeben. Im Gegenteil. Mit Hingabe hing er an den niederländischen Meistern wie Vermeer, studierte die Werke seines Landsmannes Velázquez und die Maler der spä- ten Renaissance, allen voran Rafael und Leonardo da Vinci.
1934 kommt zu ersten Spannungen zwischen Dalí und den Sur- realisten. Besonders mit André Breton. Der selber als exzentrisch geltende Führer der Gruppe verträgt keine zweite derartige Per- sönlichkeit an seiner Seite und erwirkt in einer Mitgliederver- sammlung, dass Dalí 1939 von den Surrealisten ausgeschlossen wird. Zu dieser Zeit hat sich Dalí bereits ästhetisch weit von der Gruppe entfernt. Setzen die Surrealisten auf den objektiven Zufall und priesen die Langeweile als Zugang zum Wunderbaren und Schöpferischen, will sich Dalí mit dieser passiven Haltung nicht zufrieden geben. Er will aktiv werden und, wie er oft hat verlauten lassen, zum»größten Künstler aller Zeiten« aufsteigen. Statt unter den Surrealisten, bewegen er und seine Frau sich von nun an unter finanzkräftigen Kunstliebhabern und Galeristen, bereisen die Welt und knüpfen folgenreiche Kontakte.
Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich schifft sich das Ehepaar im August 1940 nach New York ein. Bis zu ihrer Rückkehr nach Europa 1948 wohnen die Dalís im Haus von Bing Crosby und seiner Frau. Bereits 1941 veranstaltet das Museum of Modern Art eine Retrospektive. Schon davor werden seine Werke zu astronomisch hohen Preisen gehandelt. Im Exil lernt Dalí Walt Disney und Alfred Hitchcock kennen und beginnt mit ihnen zu- sammen zu arbeiten. So entwirft er die Traumsequenzen für Hitch- cocks Film Spellbound (1945) und schreibt in Zusammenarbeit mit dem Maler der Mickey Maus, John Hench, das Drehbuch
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für den Zeichentrickfilm Destino (Uraufführung 2004). Neben der Malerei wendet er sich dem Design zu, macht Werbezeichnun- gen für Haute-Couture-Modelle, entwirft Titelblätter für Zeitschrif- ten, Muster für Krawatten, Schmuck und Geschirr. Er porträtiert Angehörige der High Society und polemisiert weiter gegen die europäische Kunst der Moderne. Auf der ersten Documenta 1955 in Kassel wird er dafür abgestraft. Von den Surrealisten zeigt sie André Masson, Joan Miró und Max Ernst, nicht jedoch Salva- dor Dalí. Im Exil kommt es zur Annäherung an den Klassizismus und zu einer erneuten Hinwendung zum Katholizismus. In seinem Werk tauchen von nun an immer mehr religiöse Themen auf. Trotz dieser Einflüsse bleibt Dalí seinem Surrealismus und der von ihm entwickelten »paranoisch-kritischen Methode«, welche auf der menschlichen Fähigkeit beruht, gegebene Formen mit Bedeutung zu belehnen, treu. Mit seinen Bildern schafft es Dalí auch Sigmund Freuds ablehnende Haltung gegenüber dem Surrealismus zu kor- rigieren. Bereits 1938 kommt es in London zu einer Begegnung zwischen Dalí und dem Begründer der Psychoanalyse. Freud er- kennt, dass Dalí seine Bildwelten weniger aus dem Unbewussten schöpft, sondern ganz im Gegenteil, bewusst Motive der Psycho- analyse aufgreift und in seinen Werken verarbeitet.
Ab 1981 leidet Dalí an der Parkinson-Krankheit. Nach dem Tode Galas im Jahre 1982 lebt er zurückgezogen in Púbol. Auf ihren Tod reagiert er mit Nahrungsverweigerung und muss aufgrund der Folgen durch eine Nasensonde ernährt werden. Durch einen Zimmerbrand im Schloss Púbol erleidet er schwere Verbrennun- gen. Nach einem langen Klinikaufenthalt zieht er in das Gebäude neben seinem 1974 eingeweihten Museum Teatre-Museu Dalí in Figueres. Sein Gesundheitszustand erlaubt ihm keine künstleri- schen Aktivitäten mehr. 1983 malte er sein letztes Gemälde »Der Schwalbenschwanz«. Am 23. Januar 1989 stirbt Dalí im Alter von 84 Jahren an Herzversagen. Auf eigenen Wunsch wird er nicht an der Seite seiner Frau in der Gruft von Schloss Púbol beigesetzt, sondern in der Krypta unter der Glaskuppel seines Teatre - Museu in Figueras. Sein gesamtes Vermögen und Werk vermacht er dem spanischen Staat.
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