»Bocksteufel«
darf sich der surrealistische Künstler nicht den gesellschaftlichen Normen unterwerfen. Er muss amoralisch sein, sich der eigenen Sehnsüchte und Begierden bewusst werden und diese auch aus- leben. Dalí passt mit seinen exzentrischen Spielchen, seiner zum Snobismus neigenden Art und seiner unverhohlenen Kritik an dem biederen Kunstbürgertum seiner Zeit, bestens in Bretons Gruppe. Schnell avanciert er zum Star unter den surrealistischen Malern und wird bei den Ausstellungen in Galerien und Museen zu einem wahrhaften Publikumsmagneten.
Hatte die Dada-Bewegung die Einbeziehung des Irrationalen, Para- doxen und Absurden in der Kunst bereits provokativ vorbereitet, so machen die Surrealisten daraus ein System. Die Harmonisierung des Chaotischen und die idealisierte Verklärung der Wirklichkeit ist für sie ein Aberglaube, den es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen gilt. Die kubistischen und dadaistischen Col- lagen weiterentwickelnd, setzen Künstler wie Max Ernst, Man Ray und Giorgio de Chirico, einander fremde und sich eigentlich aus- schließende Bildelemente neu zusammen. Sie schaffen dadurch eine vieldeutige, teils unheimlich-groteske, teils aber auch heitere, traumhaft-romantische Bildwelt. Ein Verfahren, welches man auch immer wieder bei Dalí sehen kann. Verfaulte Früchte aus denen wilde Tiere mit teils grotesk verzerrten Gliedmaßen hervorkom-
»Katmandu Korridor«
men, dazu eine nackte Frau auf einem Felsplateau, das auf der Wasseroberfläche zu schweben scheint. Im Hintergrund ein Ele- fant auf langen dürren Beinen, auf seinem Rücken einen phallisch aufragenden Obelisken tragend. Das Weiche, die zerfließende Ornamentik, das Klebrige und Biologische: das ist Dalí. Diese alp- traumhaften Bildwelten entstehen nicht aus einer angeborenen psychischen Labilität, sondern aus konkreten Ereignissen, die Dalí selbst beobachtet oder erlebt hat. Es ist die Bedeutung des Unbe- wussten, das der Künstler immer wieder in den Vordergrund seiner Arbeiten stellt. Auch wenn man beim Thema Surrealismus und Sigmund Freud aufpassen muss – Übersetzungen seiner Texte sind zu diesem Zeitpunkt kaum vorhanden und von den Grup- penmitgliedern kann sie lediglich Max Ernst im Original lesen – ist es Dalí, der sich am stärksten an der Psychoanalyse und der Dar- stellung der Träume orientiert. Auch die Bildidee der Schubladen, die immer wieder aus seinen Figuren zu brechen scheinen, hat Dalí Freud entlehnt. Er benutzt diese, um die Theorie des Wiener Psychoanalytikers in seine Bildsprache umzusetzen.
Dalí will das Tor zum Irrationalen öffnen. Seine Bilder sollen über- wältigen, ohne nach dem Warum zu fragen. Seine Schöpfungen bedeuten selten das, was sie darstellen. Dabei können die Sur- realisten mit ihren Ideen und Bildmotiven auf eine lange Ahnen-
» Alle Termine und Tickets unter
www.actlive.de 31
Page 1 |
Page 2 |
Page 3 |
Page 4 |
Page 5 |
Page 6 |
Page 7 |
Page 8 |
Page 9 |
Page 10 |
Page 11 |
Page 12 |
Page 13 |
Page 14 |
Page 15 |
Page 16 |
Page 17 |
Page 18 |
Page 19 |
Page 20 |
Page 21 |
Page 22 |
Page 23 |
Page 24 |
Page 25 |
Page 26 |
Page 27 |
Page 28 |
Page 29 |
Page 30 |
Page 31 |
Page 32 |
Page 33 |
Page 34 |
Page 35 |
Page 36 |
Page 37 |
Page 38 |
Page 39 |
Page 40 |
Page 41 |
Page 42 |
Page 43 |
Page 44 |
Page 45 |
Page 46 |
Page 47 |
Page 48 |
Page 49 |
Page 50 |
Page 51 |
Page 52