Zwischen Exzentrik und Tragik - das Leben des Salvador Dalí
Selten sind Werk und Person so untrennbar miteinander verknüpft wie bei dem spanischen Multitalent, Salvador Dalí (1904 – 1989). Auch um andere Künstler haben sich Legenden gebildet. Dalí aber brachte seine selbst hervor. Ein Leben lang spielte er der Welt den Exzentriker vor, der an der Grenze des Wahnsinns lebt, den großen Provokateur und Tabubrecher. Er lieferte den Medien das lebende Abbild des genialen Künstlers. Aber nicht nur deswegen ist Salvador Dalí neben Picasso der wohl berühmteste Maler des 20. Jahrhunderts. Kein anderer Künstler machte das Absurde und das Verrückte des Surrealismus am konsequentesten zum Prinzip seines Schaffens. Die handwerkliche Qualität seiner Werke ist da- bei von perfekter Brillianz und geradezu pedantischer Korrektheit. Klapprige Gerippe auf langen Stecken gestützt, dürre Menschen aus denen Schubladen hervorragen, stehen vor bedrohlich wir- kenden leeren Horizonten. Dalís Kunst ist eine halluzinatorische Übersteigerung entfesselter, sexueller, sadistischer, masochisti- scher und zwangsneurotischer Vorstellungen. Dabei schaffte er es wie kein Zweiter, die ureigensten Schreckensbilder in seiner altmeisterlichen Art so sehr ins Allgemeine zu übersetzen, dass beim Betrachter leicht eine Identifikation stattfinden kann. Gerade weil uns diese Bilder gleichzeitig abschreckend und vertraut er- scheinen, faszinieren uns seine Werke so sehr. Und mehr noch als in den Bildern seiner surrealistischen Kollegen, schwingt in seinen Werken etwas von der tiefen Krise seiner Epoche mit.
Am 11. Mai 1904 in der spanischen Kleinstadt Figueras als zwei- tes Kind des Notars Salvdor Dalí y Cusi und dessen Frau Felipa Domenech y Ferres geboren, erhält Salvador Felipe Jacinto Dalí y Domenech bereits mit 12 Jahren privaten Malunterricht. Schon drei Jahre später ist er an einer ersten Ausstellung beteiligt und besteht 1922 die Aufnahmeprüfung für die Königliche Akademie der Schönen Künste in Madrid. Bereits ein Jahr später wird er we- gen ungebührlichen Verhaltens für ein Jahr der Akademie verwie- sen und nach weiteren drei Jahren endgültig ausgeschlossen, als er sich weigert am Examen teilzunehmen, da er seine Lehrer für rückständig und nicht für fähig erachtet seine Kunst angemes- sen beurteilen zu können. 1928 reist Dalí zum ersten Mal nach Paris und lernt dort Pablo Picasso (1881 – 1973) und Joan Miró
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(1893 – 1983) kennen. In diesem Triumvirat ist der 24-jährige Dalí mit Abstand der Jüngste. Sie werden ihm zu ersten Mentoren und Wegweisern seines Malstiles und seiner künstlerischen Karriere. Nach der sehr frühen impressionistischen Phase, weist sein Malstil nun kubistische und futuristische Einflüsse auf. Bereits im darauf folgenden Jahr lebt Dalí in Paris. Nicht nur durch seinen Umzug in die unangefochtene Hauptstadt der Moderne, sondern auch durch die Bekanntschaft mit zahlreichen Pariser Künstlern, bewegt sich Dalí mit seinen 25 Jahren von nun an am Puls der europäischen Avantgarde. Die nächsten Jahre werden für ihn zu den wichtigsten seines Schaffens. Hier erarbeitet er zusammen mit Louis Buñuel die Drehbücher zu den beiden surrealistischen Skandalfilmen »Ein andalusischer Hund« und »Das Goldene Zeitalter«.
1929 lernt Dalí die zehn Jahre ältere Russin Elena Diakonova, von allen nur Gala genannt, kennen. Zusammen mit ihrem Ehemann Paul Éluard und dem gemeinsamen Freund Joan Miró besuchen sie den jungen Maler in Spanien. Dalí befindet sich in einem solch überspannten Zu- stand, dass er jedes Mal, wenn er mit Gala spre- chen will, von einem Lachkrampf befallen wird. Trotzdem wird sie von dieser Begegnung an Dalís ständige Begleiterin. Sie wird ihm Geliebte, Muse, Modell und wenige Jahre später auch Ehefrau. Zu Éluard kehrt sie nie mehr zurück. Durch sie erst wird der Katalane zum Paradefall eines jahrzehntelang genial gemanagten Künstlers und exhibitionistischen Selbstdarstellers par excellence. Mehr als fünfzig Jahre lang wird Gala über ihn und seine Geschäfte wachen. Erst als ihr mit dem Alter die Fäden zunehmend aus der Hand gleiten, wird Dalí zum Opfer geschäftstüchtiger Sekretäre und Kunsthändler. Zu den Pariser Surrealisten, die sich bereits 1920 um André Breton und Max Ernst bilden, stößt Dalí erst 1929 über die Vermittlung von Joan Miró. Trotz dieser späten Hinwendung zur Gruppe, ist er bis heute sicherlich der berühmteste unter ih- nen. Ziel der Surrealisten war es, das Unwirkliche und Traumhafte, sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und den durch die menschliche Logik begrenzten Erfahrungsbereich durch das Phan- tastische und Absurde zu erweitern. Was sich dahinter verbirgt, ist eine zutiefst antibürgerliche und anarchische Kunstrichtung. Wie André Breton 1924 im ersten Surrealistischen Manifest schreibt,
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