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Die Rolle der Nationalstaaten im 21. Jahrhundert

Zu Beginn des dritten Jahrtausends sieht die Menschheit sich mit einer Reihe von Problemen
konfrontiert, die längst nicht mehr einzelne Staaten, sondern sie als Ganzes betreffen.
Weitverzweigte wirtschaftliche, politische gesellschaftliche und kulturelle Verflechtungen
sorgen dafür, dass lokale Erschütterungen sich überall auf der Welt auswirken. Kleine
Schwierigkeiten akkumulieren sich dadurch anderswo zu gewaltigen Hindernissen, die durch
weitere Verzweigungen verstärkt werden und durch Rückkopplungseffekte letztlich auch auf
ihren Ursprung zurückfallen.
Umweltverschmutzung, Naturkatastrophen, Hunger, Krieg, Terrorismus und zunehmend
knapper werdende Ressourcen sind zu globalen Herausforderungen geworden, deren
Konsequenzen direkt oder indirekt nicht nur die gesamte(!) heutige Menschheit, sondern auch
künftige Generationen schmerzhaft zu spüren bekommen (werden). Durch die immense
Komplexität des kausalen Geflechts derartiger Herausforderungen ist es für einzelne Staaten
praktisch unmöglich, die Probleme zu beseitigen. Selbst wenn jeder Staat der Erde die
geeigneten Maßnahmen träfe, um den Auswirkungen einer beliebigen globalen Erschütterung
entgegenzuwirken, so würden damit nur die Symptome bekämpft, nicht das Problem an sich.
Dies zeigt, dass die Menschheit sie als Ganzes schultern muss. Tatsächlich gibt es bereits
zahlreiche Bündnisse und Organisationen, die genau dafür ins Leben gerufen wurden. Das
Problem hierbei ist, dass es allzu viele Hürden gibt, die diese daran hindern, ihre Aufgaben
effizient zu erfüllen. Unterschiedliche politische Verhältnisse, unterschiedliche Gesetze,
unterschiedliche Mentalitäten und Kulturen, diplomatische und wirtschaftliche
Verwicklungen, Ansprüche einzelner Staaten und der gewaltige bürokratische Aufwand, den
eine internationale Kooperation erfordert, sorgen dafür, dass Hilfsmittel versickern,
Ansprüche nicht erfüllt werden, Ziele verfehlt und Herausforderungen nicht gemeistert.
Die Konsequenz ist, dass, will man die Probleme des dritten Jahrtausends wirklich lösen,
mittelfristig die Nationalstaaten abgeschafft werden müssen.
Einschub: Dies mag radikal klingen. Und tatsächlich ist es radikal, aber nicht in dem
abwertenden Sinne, in dem das Wort mittlerweile inflationär gebraucht wird. „Radikal“ leitet
sich von „radix“, zu Deutsch „Wurzel“ ab. Die vorgeschlagene Lösung ist also radikal,
insofern dass sie nicht mit bereits bestehenden Verhältnissen arbeitet, sondern von der
Wurzel an völlig neue schafft.
Erst wenn die Menschheit eine Nation bildet, ist sichergestellt, dass Maßnahmen zum Lösen
all der Probleme, die uns heute und in Zukunft gegenüber stehen, hundertprozentigen Erfolg
haben. Denn dadurch werden all die hinderlichen Regeln und Verhältnisse beseitigt, die eine
effiziente internationale Zusammenarbeit blockieren (während sie es durch ihre
Unübersichtlichkeit internationalen Unternehmen erlauben, sich zu bereichern).
Der Nationalstaatsgedanke des Neunzehnten und frühen Zwanzigsten Jahrhunderts ist tot. Er
lebt nur noch in den Köpfen einiger ewiggestriger Kleingeister. Ansonsten ist er einem
gesunden Bewusstsein für die Notwendigkeit und die Vorteile überstaatlicher Regelungen,
Organisationen und Abkommen gewichen. Niemand bestreitet heute noch den Nutzen von
EU, UNO, NATO, G20, etc. Durch die Globalisierung der Herausforderungen haben längst
alle Menschen, unabhängig von Herkunft und Wohnsitz die gleichen Interessen. Dies muss
nur begreiflich gemacht werden. Begreiflich gemacht werden muss ebenfalls, dass sämtliche
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